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Z - DAS ZOAR-MAGAZIN
Ausgabe 3 2018



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17.07.2018 14:17 Alter: 150 days
Kategorie: Aktuelles

Gemeinsam viel bewegen - Sieben Teilnehmer schlossen Zertifikatslehrgang „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen (IHK)“ erfolgreich ab


In Wasems Kloster Engelthal in Ingelheim haben sieben Teilnehmer, den Lehrgang „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen (IHK)“, der in Kooperation des Evangelischen Diakoniewerks Zoar und der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen durchgeführt wurde, erfolgreich abgeschlossen. Zum Teil haben die Teilnehmer ein Praktikum in verschiedenen Einrichtungen oder eine Berufsbildungsmaßnahme über 27 Monate in einem Partnerbetrieb absolviert. Andere haben den Praktischen Teil des Lehrgangs an ihrem festen Werkstatt-Arbeitsplatz gemacht. Immer noch aufgeregt, aber glücklich über die gelungene Präsentation und das Abschlussgespräch nahmen die Absolventen ihr Zertifikat entgegen. Viktor Wilpert Piel, Leiter des Geschäftsfelds Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, übergab die Urkunden zusammen mit Thomas Kreck-Hövel, Regionalleiter Eingliederungshilfe Rhein-Nahe-Hunsrück. Auch die Lehrgangsleiterinnen, Ute Michel-Wickert und Nicole Knobloch vom Berufsbildungs- und Integrationsservice der Zoar-Werkstätten Heidesheim, die auch während der Prüfungen ihren „Schützlingen“ zur Seite standen, waren bei der Ehrung mit von der Partie und wussten zu jedem Teilnehmer eine „kleine Geschichte“ zu erzählen.

Über einen erfolgreichen Abschluss freuten sich Sarah Bohn, Kim-Lea Frackowiak, Benjamin Hassemer, Anna-Lena Hüter, Ines Müller, Rebekah Schmitt und Janosch Weber. Die zu dem Kurs gehörenden Praktika absolvierten sie bei verschiedenen Arbeitgebern beziehungsweise in Praxisbetrieben. Dazu gehörten das Evangelische Diakoniewerk Zoar in Heidesheim und Rockenhausen, die kreuznacher diakonie in Mainz, das Haus St. Martin in Ingelheim, die Seniorenresidenz „Haus Gabriel“ in Saulheim, das AWO-Altenzentrum „Ursel-Distelhut-Haus“ in Mainz und die Katholische Kindertagesstätte „St. Anton“ in Kaiserslautern.

Später gute Chancen im Bewerbungsgespräch

Das Prüfungskomitee bestand aus Viktor Wilpert Piel und zwei Dozentinnen, Nicole Knobloch und Ute Michel-Wickert. Claudia Wasem, die Eigentümerin von Wasems Kloster Engelthal, und Claudia Lörsch vom Weiterbildungszentrum in Ingelheim durften als Gäste Fragen stellen und Ideen einbringen. Claudia Wasem hat selbst Erfahrung mit einem Teilnehmer aus einem vergangenen Zertifikatskurs gesammelt und war mit dessen Arbeitsleistung zufrieden. Sie bekundete ihr Interesse, weiterhin Menschen mit Beeinträchtigung ein Praktikum in ihrem Betrieb absolvieren zu lassen. Die Präsentation der einzelnen Fachthemen und das abschließende Fachgespräch dauerten für jeden Prüfling fünfzehn bis zwanzig Minuten. „Herr Hassemer zum Beispiel war sehr aufgeregt, aber man hat es ihm nicht angemerkt. Er hat sich gut präsentiert und wird in einem zukünftigen Bewerbungsgespräch gute Chancen haben“, sagte Viktor Wilpert Piel. Thomas Keck-Hövel nannte das Hauptziel der Weiterbildungsmaßnahme: die Übernahme in einen Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarkts. Er begrüßte die Gäste und bedankte sich für deren Teilnahme bei Viktor Wilpert Piel, Harald Diehl vom Sozialministerium Rheinland-Pfalz, Gracia Schade, Behindertenbeauftragte im Landkreis Mainz-Bingen, und Volker Conrad, Fachbereichsleiter Eingliederungshilfe der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Bei der Zertifikatsübergabe war auch Kurt Philipp, Fachbereichsleiter der Eingliederungshilfe im Evangelischen Diakoniewerk Zoar, in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der Landesarbeitergemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (LAG) Rheinland-Pfalz anwesend. Thomas Kreck-Hövel stellte die Teilnehmer vor und bedankte sich bei den Mitarbeitern der Praxis-Betriebe, die die Umsetzung der beruflichen Qualifikation überhaupt erst möglich machen.

„Ich hinterfrage immer, ob das Ziel und der Zweck für die Absolventen erreicht werden, denn deren berufliche Entwicklung ist das Wichtigste“, sagte Prüfungsleiter Piel. Er sehe den Lehrgang als praxistaugliches, „lebendes Konzept“. „Jeder hat Bammel vor der Prüfung, egal ob es ein studierter Doktor oder ein Mensch mit Beeinträchtigung ist“, sagt er aus Erfahrung. Er hält es für vorranging wichtig, dass jeder Teilnehmer individuelle  Unterstützung erhält. „Der Weg ist das Ziel“ sagte Viktor Wilpert Piel. „Wir gehen mit diesem Konzept mit gutem Beispiel voran.“ Er erhofft sich für die Zukunft auch mögliche Zertifikatskurse für Flüchtlinge.

Geschichte mit symbolhaftem Wert

Harald Diehl vom Sozialministerium Rheinland-Pfalz gratulierte den Absolventen ebenfalls. „Sie haben alle eine tolle Leistung erbracht“, sagte er beeindruckt. Er begleitet das Projekt der Zertifikatslehrgänge für Menschen mit Beeinträchtigung seit fünf Jahren und unterstützt dieses mit ideellem Wert. Volker Conrad von der Kreisverwaltung Mainz-Bingen erzählte eine Geschichte von einem Weingutbesitzer. Diese lautet wie folgt: Der Weinbauer suchte auf dem Marktplatz nach Menschen, die für ihn im Weinberg arbeiten. Einige von den Helfern arbeiteten den ganzen Tag und andere nur eine Stunde, trotzdem sollten alle siebzig Euro dafür bekommen. Die Arbeiter, die den ganzen Tag fleißig waren, fanden das ungerecht. Der Weingutbesitzer sagte, dass er gerecht zu denen sei, die den ganzen Tag geholfen, und gütig zu denen, die nur eine Stunde gearbeitet haben. „Ist es gerecht, dass Menschen mit Beeinträchtigung weniger Geld bekommen als Menschen ohne Beeinträchtigung?“, fragte Volker Conrad zum Abschluss seiner Rede.

Die Absolventen bedankten sich jeweils mit einem Blumenstrauß bei den Vertretern ihrer Praxisbetriebe. Zur Erinnerung an diesen wichtigen Prüfungstag bekamen sie von Regionalleiter Thomas Keck-Hövel ein Windlicht aus bunten Häusern geschenkt. Genauso bunt wie das Zoar-Motto „Wir sind alle bunt“. Seit 2013 arbeiten die Zoar-Werkstätten Heidesheim mit der IHK für Rheinhessen zusammen. Menschen mit Unterstützungsbedarf werden im Rahmen verschiedener Zertifikatslehrgänge ausgebildet. Mit einem zertifizierten IHK-Abschluss erlangen die Teilnehmer durch die erweiterten beruflichen Kompetenzen eine höhere Attraktivität für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Vier verschiedene Lehrgänge werden mittlerweile angeboten: „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen“, „Fachwerker/in Lagerorganisation“, „Fachhelfer/in für Gebäudeservice“ und „Fachhelfer/in für Gartenpflege“. Für die Lehrgänge können sich zum Beispiel Absolventen von Förderschulen und Mitarbeiter einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung bewerben. Auch Personen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund ihrer Beeinträchtigung keine Anstellung finden, sind herzlich willkommen. Die Lehrgangsteilnehmer absolvieren in der Zeit der Kursdauer bei verschiedenen Arbeitgebern ein Praktikum. Der Lehrgang beinhaltet 125 theoretische Unterrichtseinheiten und wird einmal pro Woche besucht. Die restlichen vier Tage verbringen die Teilnehmer in ihrem Betrieb.

Kommentare der Lehrgangsteilnehmer (Infokasten):

Sieben Teilnehmer haben kürzlich den Lehrgang „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen (IHK)“, der in Kooperation des Evangelischen Diakoniewerks Zoar und der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen durchgeführt wurde, erfolgreich abgeschlossen. Themen der mündlichen Abschlussprüfung waren fachgebunden, zum Beispiel Kinderbetreuung, Handhabung der Industriespülmaschine, Wareneingangs-Prüfung, Rückstellproben und das Tischdecken mit der dazugehörigen Blumen-Dekoration.

Sarah Bohn ist zwanzig Jahre alt und arbeitet seit November 2017 in der Küche der kreuznacher diakonie in Mainz. Ihre Abschlusspräsentation erstellte sie zum Thema „Rückstellproben beim Essen“. „Das sind Proben, die vom Essen genommen werden. Falls es den Menschen nach der Mahlzeit nicht gut geht, kann man die Probe untersuchen“, erzählte Sarah über ihre Arbeit. „Sarah Bohn hat heute eine super Prüfung abgelegt. Sie konnte viel an die anderen Teilnehmer weitergeben“, sagte Nicole Knobloch.

Die 19-jährige Kim-Lea Frackowiak arbeitet in der Küche im Haus „St. Martin“ in Ingelheim. Dort arbeitet sie seit rund einem Jahr. „Sie hat dort die Aufgabe, die Ware anzunehmen und das Lager zu bestücken. Mich hat es stolz gemacht, wie gut Frau Frackowiak uns ihre Arbeit vorgestellt und beschrieben hat“, sagte Nicole Knobloch. Ihre Themen im Rahmen der Prüfung waren das Spülen mit der Hand und die Industriespülmaschine.

Benjamin Hassemer arbeitet seit 2010 in der Cafeteria des Evangelischen Diakoniewerks Zoar in Heidesheim. Der 30-Jährige absolvierte dort auch sein Praktikum. In seiner Präsentation ging es um den Wareneingang und die -kontrolle. „Herr Hassemer hat sehr viel Arbeit in der Cafeteria übernommen und ist dort ein wertvoller Mitarbeiter. Man merkt, wie viel Freude er hat, sein Wissen an andere weiterzugeben“, sagte Ute Michel-Wickert.

Die 24-jährige Anna-Lisa Hüter arbeitet seit Beginn des Zertifikatslehrgangs im AWO-Altenzentrum „Ursel-Distelhut-Haus“ in Mainz. Ihr Thema bei der Prüfung war die normale, handelsübliche Spülmaschine. „Anna-Lisa Hüter war sehr aufmerksam und  immer dabei. Sie hat heute eine ganz tolle Präsentation abgeliefert“, sagte Ute Michel-Wickert.

Rebekah Schmitt stellte in der Prüfung Beschäftigungsangebote für drei- bis vierjährige Kinder vor. „Rebekah Schmitt war immer da und immer pünktlich. Sie hat sehr engagiert mitgearbeitet“, sagte Nicole Knobloch. Die 25-Jährige arbeitet seit Anfang März in der Katholischen Kindertagesstätte „St. Anton“ in Kaiserslautern. Sie zieht es in Erwägung, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. „Mir hat der Kurs viel Spaß gemacht und auch beruflich viel gebracht“, sagte Rebekah Schmitt.

Janosch Weber ist 26 Jahre alt und arbeitet seit acht Jahren im Evangelischen Diakoniewerk Zoar in Rockenhausen im Bereich der tagesstrukturierenden Angebote. Seine Abschlusspräsentation erstellte er zu den Themen „Spülen mit Hand“ und „Spülen mit Spülmaschine“. „Janosch Weber hat es so viel Spaß gemacht, dass er zusätzlich einen Lese-Rechtschreibkurs besuchte“, sagte Ute Michel-Wickert.

In der Präsentation von Ines Müller ging es um das Tischdecken und die dazugehörige Blumen-Dekoration. „Bei Praxisbeispielen war Ines Müller immer sofort zur Stelle und wusste etwas. Sie hat schon viele Erfahrungen mitgebracht. Wir haben sie außerdem als sehr kreativen Menschen erlebt, zum Beispiel beim Malen und auch mit Blick auf ihren Kleidungsstil“ sagte Nicole Knobloch. Die 20-Jährige arbeitet seit Ende Mai 2017 im Rahmen eines Praktikums, das in Kürze abgeschlossen sein wird, in der Seniorenresidenz „Haus Gabriel“ in Saulheim.

Juli Hoffmann | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Zoar | 9. Juli 2018