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Z - DAS ZOAR-MAGAZIN
Ausgabe 2 2017



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16.03.2015 15:07 Alter: 3 yrs
Kategorie: Aktuelles

Verleihung „exzellent-Preis“ 2015 an die Zoar-Werkstätten Heidesheim


Nürnberg/Heidesheim. Im Rahmen der diesjährigen Werkstätten:Messe in Nürnberg fand die Vergabe der „exzellent“-Preise in folgenden Kategorien statt: Bildung, Kooperation und Produkt. Zu den Nominierten in der Kategorie „Bildung“ gehörte die Werkstatt Heidesheim des Evangelischen Diakoniewerks Zoar, die sich letztendlich gegen zwei Mit-Nominierte durchsetzte und den Preis gewann. Der „exzellent“-Preis in der Kategorie „Bildung“ wurde von Mario Czaja (MdA), Senator für Gesundheit und Soziales, aus Berlin übergeben. Er würdigte das Projekt „IHK-Zertifikatslehrgang Fachwerker/in für Lagerorganisation“ als hervorragendes Beispiel für eine Weiterqualifizierung durch berufliche Bildungsmaßnahmen. Voller Freude entgegengenommen wurde der Preis von Zoar-Direktor Peter Kaiser sowie von Thomas Kreck-Hövel, Werkstattleiter der Zoar-Werkstätten Heidesheim, und Viktor Commichau, Mitarbeiter der Abteilung Berufsbildungs- und Integrationsservice der Zoar-Werkstätten in Heidesheim. „Wir sind sehr stolz, dass wir nun, nachdem wir bereits den rheinland-pfälzischen Weiterbildungspreis erhalten haben, auch den ‚exzellent‘-Preis entgegennehmen dürfen“, sagte Werkstattleiter Kreck-Hövel nach der Preisverleihung. „Den heutigen Preis haben wir hauptsächlich für die Weiterentwicklung des Zertifikatlehrgangs bekommen.“

Öffnung der Werkstätten nach außen

Das Projekt „IHK-Zertifikatslehrgang Fachwerker/in für Lagerorganisation“ wird deswegen als besonders innovativ angesehen, weil die Entwicklung des Weiterbildungslehrgangs in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen erfolgte. Außerdem erhielt der Lehrgang die Zulassung als Weiterbildungsmaßnahme nach dem Sozialgesetzbuch (SGB III) und ist somit auch für einen erweiterten Kreis von Teilnehmern zugänglich; arbeitslose und arbeitssuchende Menschen mit und ohne Behinderung, junge  Menschen ohne Schulabschluss und ohne Berufsausbildung. „Dieser Preis ist für uns eine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein“, sagte Zoar-Direktor Peter Kaiser. „Wir öffnen die Werkstätten nach außen und nutzen dazu Netzwerke und Kooperationen mit externen Partnern.“ Der erste IHK-Zertifikatslehrgang, der 2014 stattgefunden hat, war für die neun Teilnehmer ein großer Erfolg und belegte beispielhaft die Nachhaltigkeit der Qualifizierungsmaßnahme. Ein zweiter Lehrgang ist in Planung und beginnt in Kürze. „Im besten Fall führt die Teilnahme an dieser Weiterbildung in ein sozialversicherungspflichtiges Anstellungsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt“, berichtet Thomas Kreck-Hövel. Dies geschafft hat zum Beispiel Andreas Enderle, der seit Anfang des Jahres im Zentrallager von „Möbel Schwaab“ in Gau-Algesheim arbeitet. Mit ein Grund, warum diese Weiterbildungsmaßname von vielen als Projekt mit Vorbildcharakter bezeichnet wird und nun bereits zwei Preise erzielte.

Prämiert werden innovative Potenziale der Werkstätten

Zum zehnten Mal  zeichnete die BAG WfbM in diesem Jahr herausragende Ideen und ihre Umsetzungen in den Kategorien „Bildung“, „Kooperation“ und „Produkt“ aus. Der „exzellent“-Preis macht das kreative Potenzial von Werkstätten für behinderte Menschen sichtbar und lädt zur Nachahmung der Ideen ein. Mittlerweile hat er sich zu einem Sprungbrett für den Aufstieg in die „Marketing-Oberliga“ entwickelt, wie die Erfolgsgeschichten der Vorjahresgewinner zeigen. Die Preisverleihung ist immer ein Höhepunkt der feierlichen Eröffnungsfeier der Werkstätten:Messe in Nürnberg. In diesem Jahr wurde die Eröffnungsfeier von hohem Besuch gewürdigt. Andrea Nahles (MdB), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, nahm teil und hielt die Eröffnungsansprache. Sie sprach über das geplante Bundesteilhabegesetz sowie über weitere Vorhaben in Richtung Inklusion. Ihrer Aussage nach werden Eckpunkte für eine Gesetzesvorlage noch in diesem Jahr vorgelegt, damit das Bundesteilhabegesetz 2016 verabschiedet werden kann. Geplant sei außerdem eine Stärkung des Mitspracherechts für Menschen mit Behinderung, das die Stellung der Werkstatträte weiter festigen soll. Auf der zu verfolgenden Umsetzungsliste steht auch die Wahl von Frauenbeauftragten in den Werkstätten, die damit erstmals gesetzlich verankert wäre. Berücksichtigt werden sollen auf diese Weise der besondere Schutz- und Förderbedarf von Frauen. „Für Menschen mit Behinderung wird in diesem Jahr noch vieles auf den Weg kommen“, wandte sich Andrea Nahles an die Zuhörer im vollbesetzten Saal der Nürnberger Messe.

Menschen mit Behinderung über ihre Stärken definieren

Im Anschluss an die Eröffnungsrede der Bundesministerin fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Bundesteilhabegesetz“ statt, an der folgende Ehrengäste teilnahmen: Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Martin Berg, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten (BAG WfbM),  Mario Czaja (MdA), Senator für Gesundheit und Soziales, Berlin, Burkhard Rappl, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, sowie  Richard Bartsch, Bezirkstagspräsident von Mittelfranken. Diskutiert wurde über eine stärkere Durchlässigkeit der Systeme sowie über die Wichtigkeit von zertifizierten Bildungsmaßnahmen und über personenzentrierte Assistenzleistungen, die sich nicht an den Defiziten der Teilnehmer, sondern an deren Stärken orientieren. Mit Blick auf die Zukunft lieferte die Podiumsdiskussion folgende Eckdaten: weitere Öffnung der Werkstätten, zusätzliche individualisierte Angebote, fließende Übergänge von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, Erhalt der Werkstätten als geschützter Raum, Werkstätten als Kompetenzzentrum für Arbeit und Bildung sowie weitere Dezentralisierung. „Werkstätten werden in Zukunft kleiner, flexibler und ambulanter werden“, so Martin Berg von der BAG WfbM.

Der „exzellent“-Preis in der Kategorie „Bildung“, der in diesem Jahr an die Heidesheimer Zoar-Werkstätten ging, weist genau in diese Richtung. „Der Weg in ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft führt über die Arbeit“, fasst es Werkstattleiter Kreck-Hövel zusammen. „Arbeit und Beschäftigung bieten Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit, sich mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Gesellschaft einzubringen.“ Zertifizierte Bildungsabschlüsse ebnen den Weg dahin und geben auch jungen Menschen ohne Bildungsabschluss eine zweite Chance.

Alexandra Koch | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Zoar | 16. März 2015