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Erfahrungen im Ehrenamt

Seit fast zwei Jahren übe ich ein Ehrenamt im Evangelischen Diakoniewerk Zoar in Heidesheim aus. An dieser Stelle möchte ich Ihnen über meine Erfahrungen berichten.

Vom ersten Gedanken, ein Ehrenamt auszuführen, bis zur endgültigen Umsetzung dauerte es bei mir fast ein Jahr. Eine Entscheidung, die einen gewissen Reifeprozess benötigte und die einen anlassbezogenen Anstoß brauchte. Diesen Anstoß möchte ich Interessierten mit diesem Beitrag gern geben.

Das Sommerfest in Heidesheim vor zwei Jahren war mein entscheidendes Ereignis. Der erste Besuch in der Anlage, die Besichtigung der Werkstätten, der Einkauf von schönen Holzarbeiten und natürlich das dargebrachte Programm gefielen mir gut. Auffallend war, dass nur wenig „fremde Besucher“ anwesend waren, und es sich bei den Gästen vorwiegend um Angehörige der Bewohner handelte.

Warum ist das so? Schnell war mir klar, dass es einfach Berührungsängste sind und viele Bürger eine Scheu haben, direkt auf Menschen mit Behinderung zuzugehen. Das freundliche Zuwinken beim Nachhauseweg war letztendlich die Entscheidung – jetzt tue ich was Ehrenamtliches bei Zoar in Heidesheim!

Das Erstgespräch mit der Heimleitung ist wichtig und im Vorfeld sollte man sich genaue Gedanken darüber machen, was man machen möchte und welche Fähigkeiten man einbringen kann und wieviel Zeit man investieren möchte.

Das Folgegespräch mit dem Leiter des Hauses am Park nahm mir die Unsicherheit, und ich war neugierig und freute mich auf diese neue Aufgabe.

Wenn ich mir heute vorstelle, wie die ersten Gespräche in der Wohngruppe verliefen, so muss ich schmunzeln, denn von einem vorsichtigen „Beschnuppern“ bis zu den unausgesprochenen Worten „Was will die denn hier?“ war alles vertreten. Es dauerte einige Zeit bis sich das änderte, und diese Zeit muss man sich geben. Irgendwann stellte ich fest, dass die Bewohnerinnen und Bewohner auf mich warteten, dass sie nicht zum Rauchen gingen, wenn ich da war und mir sogar eine Tasse Kaffee anboten.

Als wir nach ein paar Wochen ein gemeinsames Kochen planten, war der Bann gebrochen. Fast jeder packte mit an, und das gemeinsame Abendessen haben wir alle genossen. Alle Mitglieder der Wohngruppe blieben nach dem Essen noch länger sitzen, und wir unterhielten uns. Diese Art der Kommunikation war neu, und ich war riesig erfreut über diese Veränderung.

Ich muss nicht immer „Programm“ machen, oft ergibt sich viel aus den Gesprächen. Die Aktivitäten planen wir gemeinsam. Es ist schön zu erleben, dass man etwas Aufmunterndes in den Alltag einbringen kann.Offenheit und Neugierde im Umgang mit Menschen sind dabei sehr hilfreich. Unterstützung finde ich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses, und es tut gut, über die Tätigkeit zu sprechen.

Auch neue Möglichkeiten der Aktivitäten werden eingebracht, und so legen wir aktuell einen kleinen Nutzgarten an. So könnte ich über viele Dinge berichten.

Das Ehrenamt gibt mir viel; das entgegengebrachte Vertrauen genieße ich sehr, und ich freue mich, dass ich etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft tun kann.

Bei den Besuchen lachen wir viel, aber auch ernste Gespräche werden geführt, bei denen Einige über ganz persönliche Erfahrungen berichten. Wie so oft stelle ich fest, dass jeder sein „Päckchen“ zu tragen hat und bei den meisten ist der Rucksack, den sie mit sich herumschleppen, sehr schwer.

Mit einem Ehrenamt können Sie helfen, etwas Licht in den Alltag zu bringen, und Sie werden bald feststellen, dass Sie der Schenkende und der Beschenkte sind.

Christa von Lochow
Ehrenamtliche im Haus am Park, Heidesheim